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Türkische Krankenhäuser

Sonntag Abend von Magenkrämpfen gepackt und allem was dazu gehört, bis Mittwoch mit Wärmflasche im Bett verbracht. Mittwoch dann ein kleiner Lichtblick, ein Stück Brot. Soweit so gut. Donnerstag dann ein ganzes Frühstück. Donnerstag Abend nicht mehr weit, nicht mehr gut. Am Freitag also dann die Entscheidung: Arzt!

11:30 Uhr zum Campusklinikum geschleppt. 500m können unendlich weit sein. Am Eingang Nummer ziehen. Anweisung: Studentenkarte in der Schalterschlitz stecken, Student-ID angeben, Nummer ziehen .... keine Nummer kommt, statt dessen rote türkische Schrift. Danke. Hilfe gesucht. Türkischen Student gefunden. Ach ich muss die Karte erst registrieren? Die ist doch registriert. Ja, aber fürs Klinikum brauchst du eine extra Registrierung. Hätte uns bei der 1h-Einführung ins Krankenhaus auch mal jemand sagen können. Naja. Wo muss ich die registrieren? Jhdiuwd? Wo? Ajjkabcn? Sorry, Wo? Netter türkischer Student läuft mit meinem Studentenausweis weg, kommt nach 5 Minuten wieder. Karte scheint registriert zu sein. Ja es geht. Nummer ziehen. Ich werde sofort aufgerufen. Gehe zum Schalter, im Krankenhaus!!! Ach, jetzt ist Mittag? Ja, was auch sonst. Um 13:30 Uhr wiederkommen.

Kurze Unsicherheit: den ganzen Weg zurück laufen? War da eine Bank zwischendurch? Oah warum ist es ausgerechnet heute auch noch so heiß? Das wären dann weitere 500m und dann wieder zur Klinik. Ich könnt auch hier auf diesem Holzstuhl 1,5 Stunden warten.
Ach ich geh einfach ins Bett und ergeb mich meinem Schicksal. Gefunden werde ich sicher irgendwann, teile mir ja das Zimmer mit zwei Türkinnen. Vielleicht fange ich nach einer Woche an zu riechen.
Zurück gegangen, ins Bett gelegt, neue Kraft gesammelt, neuer Mut. Will doch noch nicht sterben. Hab auch schon fürs Ticket für Tiflis bezahlt, wär schade drum.

Punkt 13:30 hin. Es stehen 15 Personen vor mir die eine Nummer ziehen. Nein! Wo kommen die denn her? Sind die alle krank? Ist ja eklig! Werde schnell aufgerufen. Mann hinter einer Scheibe fragt „Fluenca?“ Ich sag nein, zeige auf meinen Bauch. Verwirrtes Gesicht. Übersetzer rangezerrt. Was? Nein, ich bin nicht schwanger! Kann mich jetzt mal bitte jemand von diesen Magenkrämpfen erlösen? Das macht dann 1 Lira (50 Cent). Kleinen Zettel bekommen mit Namen vom Arzt drauf und neuer Nummer. Zur Tür vom Arzt geschleppt. Kann man da jetzt einfach rein? Hmm...da sitzen noch andere...ich setz mich dazu...verstehe...2 Leute vor mir. Dann bin ich dran.

Gott sei dank, der Arzt spricht englisch. Versucht irgendwas zu umschreiben. Ich nenns beim Wort. „ach Sie kennen die Vokabel, das ist ja schön...Seit Sonntag haben Sie das? Heute ist Freitag. Das ist viel zu lang und gefährlich“ „Ja, ich weiß“ „Okay, wir brauchen eine Blutprobe und Urin.“ „Geht klar, wo?“ „Im Haus da drüben“ „Kommen Sie Montag wieder“ (ja, dann bin ich tot ☺ ).

Im Haus da drüben lustige Plastetüten über meine Schuhe ziehen müssen. An der Rezeption viele Aufkleber mit meinem Namen bekommen. Und jetzt? Übersetzerstudentin rangezerrt. Aha, die ersten 3 sind für die Blutprobe. Der andere ist...beklemmendes Schweigen...ja?...ehmm, wie soll ich das sagen,also...Urin?...nicht Urin...das andere?...hmm, ja, das andere... Oooooh DAS andere. Braune Plasteschale bekommen. Ja, nee, is nicht drin :D. Ich kack nicht in eine Plasteschale in einem Krankenhausklo, das kein Klo ist, weil, da ist nur ein Loch im Boden. Ja du kannst dir Zeit lassen bis 16 Uhr, wenn du grad nicht kannst. Super. Okay, erstmal zum Blutabnehmen, dann das andere Problem angehen. Wieder zum Tresen. Versucht einer Krankenschwester klar zu machen, dass es physisch nicht möglich ist in eine Schale zu machen, wenn man einfach mal komplett leer ist. Weshalb bin ich denn hier? Mein Mitleid für die Übersetzerin und verständnisvolles Nicken der Krankenschwester.
Mit Blutergebnis nach 40 Min (war selbst überrascht) wieder zum Arzt. Der, schon im Wochenende.
Anderen Arzt gefunden. Ah ja...natürlich, erst eine Nummer ziehen. Ich vergas. Dann endlich: und...nichts! „Aber ich verschreib Ihnen trotzdem Antibiotikum, wir können keine Lebensmittelvergiftung/ Parasiten ausschließen“ „Danke.“

In der Apotheke dann die wohl billigsten Medikamente meines Lebens gekauft. Kappadokia Trip abgesagt, zum Glück noch Ticket an andere verhökert, da kein Geld zurück.

Nach einigen Tag dann genug regeneriert um darüber schreiben zu können. Jetzt kein Magen-Darm mehr, dafür Erkältung und das Wissen über Vokabeln, die physiologische Vorgänge beschreiben, die ich hoffentlich in der nächsten Zeit nicht wiederholen muss.

22.10.12 23:37

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